Franz Schubert & die Musik der Moderne – Liedkunst im Stefaniensaal

Ein Wettbewerb kommt einem Hindernislauf sehr nah … man muss eine Hürde nach der anderen überwinden. Was mich am allermeisten bei den beiden Gewinnerduos Mikhail Timoshenko & Elitsa Desseva und Sophia Burgos & Daniel Gerzenberg beeindruckt hat, war ihr sicheres Auftreten vom allerersten Moment an und die vollkommene Beherrschung ihres gewählten Repertoires. Sophia konnte unglaublich beim zeitgenössischen Repertoire punkten und sang mit staunenswerter Vertrautheit, Mikhail füllte den Saal mit seiner Stimme, seinem Charisma und seiner einzigartigen Persönlichkeit. Beide wurden von ihren kongenialen Duopartnern Elitsa und Daniel perfekt ergänzt. Die Duos haben sich in allen Durchgängen auf dem höchsten Niveau präsentiert und sich den Wettbewerbserfolg absolut verdient. Ich bin mir sicher, dass sich dieser Erfolg in Graz auch im Verlauf ihrer Karriere widerspiegeln wird.

Luis Gago (Geiger, Jurist, Musikologe, Autor, Musikproduzent, -kurator und -kritiker; er war 2018 Mitglied der Lied-Jury des Wettbewerbs „Franz Schubert und die Musik der Moderne")

Duo Mikhail TIMOSHENKO & Elitsa DESSEVA

Das Duo Timoshenko-Desseva erhielt 2018 den 1. Preis beim 10. Internationalen Kammermusikwettbewerb „Franz Schubert und Musik der Moderne“ in Graz, den 1. Preis beim Internationalen Lied-Wettbewerb der Hugo-Wolf-Akademie in Stuttgart, den 2. Preis und den Publikumspreis beim Internationalen Schubert Liedduo-Wettbewerb in Dortmund sowie 2019 den 3. Preis und Yamaha-Preis beim Internationalen Kammermusikwettbewerb in Lyon und den 1. Preis bei der Wigmore Hall International Song Competition in London. Ihre Zusammenarbeit im Duo ermöglichte ihnen Auftritte in Konzerthäusern wie die Opéra Garnier und dem Berliner Konzerthaus.

Mikhail TIMOSHENKO – Bassbariton (Russland):
Nach seinem Studium an der Musikschule in Mednogorsk (Russland) absolvierte Mikhail Timoshenko sein Studium an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar und bekam frühzeitig Engagements auf den Bühnen der Opera National de Paris, der Opera Monte Carlo sowie der Opéra National de Bordeaux, ab 2015 auch als Mitglied der Akademie der Pariser Nationaloper. Wichtige Rollen seiner Karriere sang er in Vol Retour von Joanna Lee, in Monteverdis L‘Orfeo, in Tschaikowskys Mazeppa (Oper von Oviedo, Spanien), sowie weitere Rollen u. a. in Wozzeck, Rigoletto, Don Carlos, Un ballo in maschera sowie Boris Godunov an der Opéra Bastille. 2016 erhielt er den 1. Preis beim Concours International de Chant Bordeaux Médoc, einen Sonderpreis des Cercle Carpeaux, einen Sonderpreis der Association AROP, den 1. Preis beim Siemens Opera Contest und im Jahr 2017 den 1. Preis beim Internationalen Maria-Callas-Wettbewerb. Jährlich organisiert Mikhail in Russland Wohltätigkeitskonzerte, um die Arbeit mit behinderten Kindern im diakonischen Zentrum Orenburg und von ähnlichen Organisationen zu unterstützen.

Elitsa DESSEVA – Klavier (Bulgarien):
Elitsa Desseva wurde 1993 in Sofia (Bulgarien) geboren. Sie absolvierte ihr Klavier-Masterstudium an der Hochschule für Musik in Weimar und studiert derzeit Liedbegleitung bei Charles Spencer an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Als Pianistin gilt ihre Liebe vor allem dem Liedrepertoire, aber auch der Musik des 20./21. Jahrhunderts. 2015 begann sie ihre internationale Karriere im Liedduo mit der Mezzosopranistin Polina Artsis. Im selben Jahr wurde das Duo mit dem 1. Preis beim Liedduo-Wettbewerb der Franz-Liszt-Musikakademie in Weimar und dem 1. Preis und Sonderpreis beim Internationalen Karl-Adler-Musikwettbewerb in Stuttgart ausgezeichnet. 2017 gewannen sie den 1. Preis beim Internationalen Liedduo-Wettbewerb in Groningen, gefolgt von einem Konzert und einer landesweiten Live-Übertragung aus dem Concertgebouw Amsterdam beim niederländischen Sender Radio 5, sowie Auftritten bei wichtigen Festivals wie dem Grachtenfestival und dem Peter de Grote Festival. In dieser Saison nimmt sie unter anderem an mehreren Fundraising-Veranstaltungen in Deutschland und Russland teil, die von „Yehudi Menuhin Live Musik Now e.V.“ und der gemeinnützigen Organisation „Diaconal Center Touch“ organisiert werden. Bei diesen Konzerten möchte Elitsa Spenden sammeln, um die Arbeit mit behinderten Kindern im diakonischen Zentrum Orenburg und von ähnlichen Organisationen zu unterstützen.

Duo Sophia BURGOS & Daniel GERZENBERG

2. Preis und Sonderpreis für die beste Interpretation der Auftragskomposition von Isabel Mundry beim 10. Internationalen Wettbewerb „Franz Schubert und die Musik der Moderne“ 2018 an der Kunstuniversität Graz.

Sophia BURGOS – Sopran (USA):
Die puertorikanisch-amerikanische Sopranistin Sophia Burgos, geboren 1991, lebt derzeit mit ihrem Partner, dem Komponisten Andrew Haig, in Köln. Ihre vertrautesten Mentor*innen sind Dawn Upshaw, Barbara Hannigan und Neil Semer. Burgos schloss am Bard College Conservatory of Music ihr Master-Studium ab. Während dieser Zeit debütierte sie als Gewinnerin des Bard Conservatory Concerto-Wettbewerbs mit dem American Symphony Orchester in der Carnegie Hall. Sophia Burgos erhielt ihren Bachelor-Abschluss an der Eastman School of Music, wo sie Barbers Knoxville: Summer of 1915 als Gewinnerin des Eastman Concerto-Wettbewerbs aufführte. 2013 erhielt die Sängerin beim Friends of Eastman Opera-Wettbewerb und beim Jesse Kneisel Lieder-Wettbewerb den 3. Preis.

Daniel GERZENBERG – Klavier (Deutschland):
Daniel Gerzenberg ist international gefragter Liedbegleiter und Lyriker. Auftritte hatte er bereits in der Wigmore Hall, dem Pierre-Boulez Saal Berlin und beim Heidelberger Frühling. Die kommende Spielzeit führt ihn zum Verbier-Festival, in das Konzerthaus Berlin und zu weiteren Liederabenden nach Mailand und Lille. Im Duo mit der Sopranistin Sophia Burgos ist er auch Preisträger des Concours International de Chant-Piano Nadia et Lili Boulanger. Zudem wurde er als Begleiter von Theresa Pilsl mit dem Pianisten-Preis beim Bundeswettbewerb Gesang ausgezeichnet. Um Innovation im Bereich Lied bemüht, arbeitet er in Konzerten mit Lied-Improvisationen: Live-Vertonungen von Lyrik, zumeist auf Texte von zeitgenössischen Lyriker*innen oder von eigenen Werken. Er arbeitet mit dem Komponisten Andrew Haig zusammen, der seine Lyrik vertont und die Daniel zur Aufführung bringt. Er ist Lehrbeauftragter im Fach Lyrik an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Sein Studium schloss er ebenda in der Lied-Klasse von Wolfram Rieger im Februar 2019 ab.

Ausgezeichnet_plus Duo TIMOSHENKO & DESSEVA und BURGOS & GERZENBERG im Grazer Stefaniensaal, Congress Graz
Datum: 24.10.2019
Uhrzeit: 19.30 Uhr (Prolog im Saal um 18.45 Uhr mit Ulla Pilz)

Programm:

Mikhail TIMOSHENKO – Bassbariton & Elitsa DESSEVA – Klavier: Über den Tag hindurch „Wo Phantasien und Traumgestalten /Immer vor mir vorüberfliehn.“

Gustav Holst (1874-1934) - Ushas (Dawn) op. 24 (Hymnen aus dem Rigveda)
Franz Schubert (1797-1828) - Memnon D 541 op. 6/1 (Johann Mayrhofer)
Gustav Holst Varuna II (The Waters) op. 24/5
Gustav Holst Maruts (Stormclouds) op. 24 (Hymnen aus dem Rigveda)
Andrea Lorenzo Scartazzini (*1971) - Hesperos, du bist der hirte des abends) (Raoul Schrott nach Sappho)
Franz Schubert - An den Mond D 193 op. 57/3 (Ludwig Christoph Heinrich Hölty)
Andrea Lorenzo Scartazzini - Die sterne gehen wie kienspäne (Raoul Schrott nach Sappho)
Richard Strauss (1864-1949) - Heimliche Aufforderung op. 27/3 (John Henry Mackay)

Sophia BURGOS – Sopran & Daniel GERZENBERG – Klavier

Improvisation - Ovum (Daniel Gerzenberg)
Andrew Haig (1986*) - Maktub (Daniel Gerzenberg)
1. Reset
2. Das bin ich
3. Maktub

Palindrom

Franz Schubert - Des Fischers Liebesglück D 933 (Karl Gottfried Ritter von Leitner)
George Crumb  (*1929) - Apparition 1 (Walt Whitman)
Manuel de Falla (1876-1946) - Asturiana (Cancion popular)
Lili Boulanger (1893-1918) - Elle était descendue au bas de la prairie (Francis Jammes)
Manuel de Falla - Nana (Cancion popular)
George Crumb - Apparition 2 (Walt Whitman)
Franz Schubert - Des Fischers Liebesglück D 933 (Karl Gottfried Ritter von Leitner)

Mikhail TIMOSHENKO – Bassbariton & Elitsa DESSEVA – Klavier: Der Weg der Liebe „Fühlt meine Seele das ersehnte Licht / Von Gott ...“

Aaron Copland (1900-1990) - The Boatman‘s Dance (Traditional)
Franz Schubert - Auf dem See D 543 (Johann Wolfgang von Goethe)
Franz Schubert - Wilkommen und Abschied D 767 (Johann Wolfgang von Goethe)
Franz Schubert - Im Frühling D 882 (Ernst Schulze)
Hugo Wolf (1860-1903) - Fühlt meine Seele (Michelangelo Buonarroti)
Samuel Barber (*1929) - Sleep Now op. 10/2 (James Joyce)
Samuel Barber (*1929) - I Hear an Army op. 10/3 (James Joyce)

Eine kleine „Gebrauchsanweisung“ für das Konzert

Die beiden Lied-Preisträger_innenpaare von „Franz Schubert und die Musik der Moderne 2018“ wurden eingeladen, beide Elemente des Wettbewerbs in ihre Programmierung des Abends einfließen zu lassen und entschieden sich für eine Durchmischung von Schuberts Liedern mit Werken des 20. und 21. Jahrhundert. So teilte sich das Konzert in vier Blocks:

Den Anfang machte das Duo Timoshenko & Desseva, das unter dem Motto „Über den Tag hindurch“, Untertitel „Wo Phantasien und Traumgestalten /Immer vor mir vorüberfliehn“ einen Tag und vor allem eine Nacht mit all ihren Naturphänomenen durchmessen.

Das Duo Burgos & Gerzenberg rundete die erste Hälfte mit drei Liedern des jungen US-amerikanischen Komponisten Andrew Haig ab, die für die beiden geschrieben wurden. Das Besondere daran: Die Sopranistin Sophia Burgos ist die Lebenspartnerin des Komponisten, Textdichter ist der Pianist Andrew Gerzenberg. Burgos & Gerzenberg eröffneten dann auch die zweite Konzerthälfte mit einer Gruppe von sieben Liedern, die unter dem Titel „Palindrom“ steht und mit Schuberts Des Fischers Liebesglück eröffnet und beendet wird. Dazwischen spannt sich der Bogen wie in einem Palindrom (einem Wort, das man von vorne und von hinten lesen kann) über die Sprachen deutsch-englischspanisch-französisch und die Komponist_innen Schubert – Crumb – de Falla– Boulanger und wieder zurück.

Das Finale des Konzerts bestreitete das Duo Timoshenko & Dessewa; Überschrift war hier „Der Weg der Liebe“, ergänzt vom Beginn des gleichnamigen Hugo Wolf-Liedes Fühlt meine Seele das ersehnte Licht / Von Gott …, das Thema war dem zufolge das, um das im Leben und im Lied so vieles kreist: die Liebe.


Die Kunstuniversität Graz bedankt sich herzlichst für die wichtige und großzügige Unterstützung, solche Preise vergeben zu können:
* 1. Preis in der Höhe von € 9.000, gestiftet von der Stadt Graz
** 2. Preis in der Höhe von € 6.500, gestiftet von der Gesellschaft der Freunde der Kunstuniversität Graz