Liebevolle Zuwendung zur nächsten Generation

Liebevolle Zuwendung zur nächsten Generation

Gespräch mit Elisabeth von Magnus zum Wesen eines Musikwettbewerbs

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Elisabeth von Magnus. Fotocredit: The Schubidu Quartet/Thomas Raggam

Es war Sonntag, das Semi-Finale aller Sparten lief gerade auf Hochtouren. In den Gängen vor den Sälen wuselten Zuhörer, Musiker mit oder ohne Instrumentenkoffer, Mitarbeiter mit dicken Mappen rannten herum. Wenn sich die Tür eines Einspielzimmers öffnete, hörte man die Musiker spielen. Ein ganz normaler, typischer Tag gegen Wettbewersende. Dann traf ich Elisabeth von Magnus, Künstlerin, Vizerektorin für Kunst und Präsidiumsvorsitzende des FS&MM, und konnte da noch nicht ahnen, was für ein fesselndes Gespräch mich erwarten würde.

Als bekannte Mezzosopranistin kann von Magnus eine international erfolgreiche Karriere vorweisen. 2012 wurde sie zur Vizerektorin für Kunst der Universität ernannt, im Herbst 2014 übernahm Sie den Vorsitz des FS&MM-Präsidiums.

Während der Wettbewerbstage des FS&MM 2015 versucht sie „so viel wie möglich zu hören,“ eine nachdenkliche Pause folgt, bevor sie hinzufügt, „seitdem stapeln sich Fragen in meinem Kopf.“ Es werde ihr auch immer bewusster, „welche Verantortung wir als Veranstalter des Wettbewerbs haben – den Teilnehmern gegenüber.“ Was kann ein Wettbewerb? Was will ein Wettbewerb? Was soll er wollen? Was kann oder soll er für die Preisträger auslösen? In welchem Verhältnis stehen die Preisträger des FS&MM im internationalen Kontext zu denen anderer Wettbewerbe? Und und und … Die Liste an Fragen, die von Magnus sich stellt, ist lang.

Ein Wettbewerb ist eine große Herausforderung“, so die energiegeladene Künstlerin, „ich bin hingerissen und voller Bewunderung, wie souverän sich alle präsentieren und trotz der Nervenanspannung ihr Bestes geben.“ Sie sieht alle Teilnehmer als Gewinner, „indem sie sich dem Thema Wettbewerb stellen.“ Der Berufsalltag eines Musikers sei geprägt vom Wettbewerb (Stichwort Probespiel bzw. Vorsingen). Ein Vorteils eines Musikwettbewerbs gegenüber dem alltäglichen professionellen Wettbewerb ist, dass man die Chance habe, die anderen zu hören. Sie sieht diese Möglichkeit als „ein tolles Angebot“ zu erfahren: „Wo stehe ich? Wo stehen die anderen? Denn bei einem Probespiel oder Vorsingen höre ich meine Mitbewerber ja nicht.

Sie kennt den Betrieb des Musikwettbewerbs auch aus der Sicht einer Jurorin. 2009 war von Magnus selbst als Jurorin zum FS&MM eingeladen. Sie ist davon überzeugt, dass „im Endeffekt jeder, der bereit ist, Juror zu sein, dies auch aus Liebe zur nächsten Generation tut“. Man möchte junge Menschen erreichen und ihnen gerne ein paar essenzielle Ratschläge auf den Weg in diesen schönen, aber harten Beruf mitgeben. Die Erkenntnisse als Jurorin möchte sie auch in ihre Arbeit als Vorsitzende des FS&MM-Präsidums einfließen lassen. „Man hat liebevolle Wünsche für die, die man da hört und sieht“, erzählt von Magnus mit funkelnden Augen, „ich möchte dir so gern ja etwas sagen, ich möchte dir noch so gern diese Anregungen geben – so oder so ähnlich denkt man als Juror.

Elisabeth von Magnus. Fotocredit: The Schubidu Quartet/Thomas Raggam

Daher appeliert von Magnus an alle Teilnehmer, Feedbacks von den Juroren zu holen. Sie betrachtet es als Geschenk, dass man als Teilnehmer Meinungen und konstruktive Kritik von den einzelnen Juoren bekommen kann. Als ehemalige Jurorin mehrerer Wettbewerbe weiß sie aus Erfahrung, wie viele Gedanken sich die Jurymitglieder über die Teilnehmer machen, „man will die jungen Musiker nicht mit einem Federstrich abweisen.“ Es sei wichtig, den Teilnehmern Hemmungen abzunehmen, mit den einzelnen Juroren über die eigenen musikalischen Darbietungen zu sprechen. „Der Wettbewerb kann und soll durch das Angebot einer hochkarätigen Jury den jungen Musikern Impulse geben. Egal ob man gewinnt oder rausfliegt.“ Auch für die Gewinner sei es ihrer Meinung nach wichtig zu erfahren, „wo vielleicht Fragezeichen sind und wie man sich als Musiker noch weiter entwickeln kann.

Auf die Fragezeichen, die in ihren Kopf seit dem Wettbewerb kreisen, hat von Magnus teilweise noch keine konkrete Antworten. Die Gedanken müssen noch sortiert und fortgesponnen werden, „meine Arbeit hört nicht mit dem Wettbewerbsende auf“, gibt sie sich optimistisch und voller Zuversicht. Und wir freuen uns schon auf die nächste Ausgabe des FS&MM!

 

PS. Aus Gründen der Satzschönheit und Lesbarkeit wird in diesem Text auf explizites Gendern verzichtet.
Ich danke für euer Verständnis, Eure Chia-Tyan.

 Interview: Chia-Tyan Yang

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